Auswertung Notarzteinsätze 2006
Vergleichende Analyse der Notarzteinsätze des Jahres 2006 mit den Einsätzen des Jahres 1996
Die zugrunde liegende Arbeit „Was leisten Notärzte im Einsatz ?“ aus dem Jahr 1996 (s. Exemplarische Analyse eines Notarztstandortes. Auswertung aller Notarzteinsätze des Jahres 1996 an diesem Standort. Am Puls 1998) wurde im Jahr 2006 erneut durchgeführt.
Diesen Daten können jetzt die Vergleichszahlen desselben Notarztstandortes des Jahres 2006 gegenübergestellt werden.
Sowohl die Zahlen, als auch die Entwicklung dieses Notarztstandortes können durchaus als repräsentativ für Rheinland-Pfalz gelten, weil die meisten Faktoren, wie z.B. die Einsatzfrequenz oder die Verteilung der Einsätze auf medizinische Fachgebiete mit allen anderen Notarztstandorten vergleichbar sind.
Wir können leider die konkreten Daten nicht veröffentlichen, da sie vom Arbeitgeber nicht freigegeben wurden. Deshalb im folgenden die zusammen gefassten Ergebnisse:
Was im Vergleich auffällt ist insbesondere die Tatsache, dass es in den letzten Jahren kaum eine Veränderung der Einsatzfrequenz und des Einsatzgeschehens gegeben hat. Das einzige, was sich in den letzten zehn Jahren wirklich verändert hat, ist der Rückgang der unfallbedingten Einsätze um 12 %.
Die Einsatzzahlen insgesamt blieben nahezu stabil.
Die Zahl der Notarzteinsätze stieg um durchschnittlich 0,44 Einsätze pro Tag.
Das ist eine Steigerung von 11,3 % in zehn Jahren, während die Gesamteinsätze im Rettungs- und Krankentransport alleine in den letzten zwei Jahren um 14 % gestiegen sind.
Auch das medizinische Geschehen am Patienten, also die Art und die Häufigkeit der durchgeführten Maßnahmen, ist nahezu unverändert.
Was Dr. Rungaldier in seiner Untersuchung von 1996 noch sehr in Erstaunen versetzte, war die Tatsache, dass in der rettungsdienstlichen Praxis lediglich 12 von über 60 mitgeführten Medikamenten tatsächlich eingesetzt wurden.
Aber auch dieses Faktum hat sich als stabil erwiesen. Im Jahre 2006 kamen lediglich 19 verschiedene Medikamente zur Anwendung.
Die risikoreichen und spektakulären medizinischen Maßnahmen, wie Notamputation, Koniotomie, Thorax-Drainage usw., die in der Literatur und in der Fachdiskussion immer wieder zur Begründung der Notwendigkeit von Notarztsystemen angeführt werden, sind an dem untersuchten Notarztstandort weder 1996, noch 2006 dokumentiert worden.
Da es sich hier um über 3 000 Notarzteinsätze und zwei volle Jahre handelt, kann hieraus zumindest der Schluss gezogen werden, dass diese Maßnahmen ausgesprochen selten am Notfallort durchgeführt werden müssen und somit als Begründung für irgendeine Notwendigkeit völlig untauglich sind.
Auch die Anzahl der Notarzteinsätze, die sich zumindest im Nachhinein als nicht indiziert, also als unnötig erwiesen haben, ist mit 46 % nahezu unverändert geblieben.
Die Tatsache, dass in fast der Hälfte aller durchgeführten Notarzteinsätze definitiv kein Arzt gebraucht wird, ist aber ein sicheres Indiz dafür, dass mit diesem System etwas nicht stimmt.
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